Ein faires Biofrühstück ohne Brötchen, Müsli oder Milchprodukte, Käse und Säfte muss nicht sein. „Bio und Fair geht auch von hier“ nach dieser Devise ergänzen die FairBio-Hersteller die Frühstückstafel um heimische Produkte.

Ist Bio bei uns nicht immer auch fair? Die meisten Verbraucher sind dieser Meinung. Sie wissen jedoch wenig über die wirtschaftliche Situation der Landwirte und Gärtner, die hierzulande Biolebensmittel erzeugen. Die Biobranche wird durch ihr dynamisches Wachstum zunehmend anonymer. Die Konzentration auf der Handelsseite sowie zahlreiche Übernahmen kleinerer Unternehmen durch Konzerne verändern den Biomarkt: Biobauern, mittelständische Biohersteller und regionale Biohändler geraten dabei zunehmend unter Druck.

„Fairness muss auch vor unserer eigenen Haustür gelten“, sagt Karin Artzt-Steinbrink, Vorstandsvorsitzende des FairBio Vereins. Der Samen, der vor mehr als zehn Jahren mit der „Erzeuger-fair Milch“ von der Upländer Bauernmolkerei gelegt wurde, trägt mittlerweile in weiteren Produktbereichen wie Käse, Säfte, Backwaren oder Getreideprodukte Früchte. Mit fairen Bioprodukten aus Nord und Süd kann mittlerweile ein vollständiger „Eine-Welt-Frühstückstisch“ gedeckt werden. Das faire Angebot aus der Heimat kommt beim Kunden an. So freut sich die Upländer Bauernmolkerei, Willingen, über zweistellige Zuwachsraten für ihre fairen Milchprodukte. Seit mehr als zehn Jahren wird auf diese Weise die Existenz der 115 Milchbauern mit ihren insgesamt 7000 Kühen gesichert und die Kulturlandschaft der Region erhalten.

Auch die Bauck GmbH aus Rosche in der Lüneburger Heide verzeichnet zweistellige Wachstumsraten für faire Müslis, Porridges und Getreideflocken der Marke Bauckhof Naturkost. Etwa 55 Demeter-Bauern decken seit vielen Jahren den Demeter Getreidebedarf des Naturkostherstellers mit eigener Mühle und bewirtschaften dafür rund 2.800 Hektar Ackerfläche nach bio-dynamischen Richtlinien. „Die Getreidebranche ist davon gekennzeichnet, dass es viele Anbieter und wenige Abnehmer gibt. Dieses Kräfteverhältnis begünstigt faire Handelsbeziehungen eher weniger, daher haben wir zusammen mit unseren Demeter-Lieferanten eine Erzeugergemeinschaft gegründet“, erklärt Jan-Peter Bauck, Geschäftsführer der Bauck GmbH. Gemeinsam mit den Landwirten werden die zukünftigen Anbauschwerpunkte besprochen.

Vielfalt steht auch bei der Cibaria Vollkornbäckerei GmbH aus Münster, auf dem Programm. Rezepturen für rund 270 verschiedene faire Brot- und Backwaren hüten die Münsteraner wie einen Schatz. Damit konnte die Vollkornbäckerei in den vergangenen fünf Jahren ihren Umsatz um 30 Prozent steigern. Alleine samstags gehen in Münster inzwischen bis zu 2.400 Brote und 4.000 Brötchen über die Verkaufstheken. Der regionale Einkauf liegt Cibaria-Geschäftsführerin Rike Kappler besonders am Herzen: „Wir kaufen das Nächste und nicht das Billigste“. Mit ihrer breit gefächerten Produktpalette sichert die experimentierfreudige Biobäckerei den Erhalt alter Getreidesorten wie Emmer, Khorasan-Urweizen, Nackthafer oder der Nacktgerste Pirona in der Region.

„Jeder Acker, der nicht gespritzt wird, ist gut für die Welt“, erklärt Boris Voelkel, Einkaufsleiter der Voelkel GmbH. Für den FairBio-Vorstand ist Bio jedoch mehr als nur ein pestizidfreies Produkt: Bio steht für eine zukunftsfähige Landwirtschaft mit unabhängigen, bäuerlichen Strukturen. Alleine 8.000 Tonnen Möhren und 5.000 Tonnen Äpfel verarbeitet die Naturkostsafterei aus dem Wendland pro Jahr. Mit fairen, partnerschaftlichen Lieferbeziehungen, Transparenz und einer nachhaltigen Produktion setzt das FairBio-Mitglied damit ein Zeichen für mehr Fairness auch im Norden. Boris Voelkel hat dabei das nächste Level der Biobranche fest im Blick: „Gesunde Lebensmittel aus gesunden Strukturen“.